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Weihnachtsgans Auguste in Lehnitz

Weihnachtsgans Auguste in Oranienburg / Lehnitz

Von Bodo Becker

Seit nunmehr vier Jahren erleben mich die Oranienburger und ihre Gäste persönlich als leuchtende Weihnachtsgans Auguste auf dem Balkon des Schlosses. Meinen Namen hat der Weihnachtsmarkt bereits 2009 erhalten. So war es endlich an der Zeit gewesen, dass ich persönlich zu diesem jährlichen Ereignis erscheine. Als Märchengans besaß ich, so wie die meisten richtigen Gänse, zunächst keinen Namen. Erst im Verlauf meines literarischen Lebens habe ich ihn dann erhalten. Erfunden hat mich der Schriftsteller Friedrich Wolf im Jahre 1946, der zu diesem Zeitpunkt gerade aus dem sowjetischen Exil gekommen war und im zerstörten Berlin lebte. Eine Weihnachtgans im Jahr 1946 ist ein Anachronismus und darum einfach märchenhaft. Eigentlich schrieb er keine Märchen, sondern sozialkritische und politische Dramatik. Doch die damaligen schrecklichen Lebensumstände – die Menschen hungerten und viele von ihnen hatten kein Dach über den Kopf – haben ihn wohl veranlasst, für die kleinen und großen Kinder ein Märchen mit einer Weihnachtsgans zu verfassen.

Weihnachtsgans Auguste

Bild aus dem Archiv von Bodo Becker

Ich bin also eine Berlinerin und das diesjährige Weihnachtsfest ist gewissermaßen mein 71. Geburtstag. Hier bin ich besonders gerne, weil mein literarischer Vater von 1948 bis 1953 in Lehnitz gelebt hat. Wie aber bin ich nun zu meinem Namen gekommen, werden vielleicht einige Unwissende fragen?

Das geschah so: Für das bevorstehende Weihnachtsfest hatte mich der Dresdner Opernsänger Luitpold Löwenhaupt erworben (woher auch immer in diesen schwierigen Zeiten), um einen schönen, fetten Weihnachtsbraten genießen zu können. Doch da kamen ihm seine drei Kinder dazwischen, die mich Gott sei Dank schnell lieb gewannen. Sie gaben mir den Namen „Auguste” und holten mich aus dem Keller ins Kinderzimmer. Da hatte die Familienhilfe mein Federkleid bereits gerupft, aber wie durch ein Wunder kam ich ins Bewusstsein zurück. Ohne Federn fror ich erbärmlich, so dass man mir einen warmen Pullover strickte. Zum Schluss wollte Vater Luitpold trotzdem nur noch seinen Gänsebraten haben. Wenn ihr das Ende meines aufregenden Weihnachtsabenteuers wissen wollt, solltet ihr das Märchen unbedingt lesen. Leser jeglichen Alters rührte mein Schicksal mit glücklichem Ausgang derartig an, dass es bis heute in vielen Buchauflagen erschien. Doch damit nicht genug. Schon 1959 konnte man mich und die Familie Löwenhaupt als Hörspiel im Rundfunk erleben.

Weihnachtsmarkt und Auguste

Oranienburger Weihnachtsmarkt und Lehnitzer Auguste – Bild aus dem Archiv von Bodo Becker

Der Erfolg muss riesig gewesen sein, denn fünf Jahre später spielte ein lebendiges Double nun auf Kinoleinwänden unter dem Titel „Peterle und die Weihnachtsgans Auguste“.  Der Leipziger Komponist Günter Neubert machte aus meinem Leben ein musikalisches Märchen mit Gesang und Orchestermusik. Mein in unverwechselbaren Tönen gesetztes Geschnatter „Lat mi in Ruh, i will in mei Truh“ fand Weihnachten 1974 im Leipzier Gewandhaus seine Uraufführung. Als Fernsehspiel kam meine Geschichte 1979 in die weihnachtlichen Wohnzimmer. Auch ein Trickfilmer fand sie so schön, dass er 1985 einen ganzen Puppentrickfilm davon drehte. Richtig berühmt wurde der Ganter, der 1987 in dem Kinderfilm „Die Weihnachtsgans Auguste“ mein Leben verkörperte. Am Heiligabend 1988 schlossen ihn die Fernsehzuschauer als Auguste in ihre Herzen. Danach bekam er weitere Auftritte in Filmen, u.a. im Til-Schweiger-Streifen „Männerpension“.

Auguste aus Lehnitz

Bild aus dem Archiv von Bodo Becker

Mit 26 Jahren starb Auguste in einer Tierfilmschule in Brandenburg, was sogar die Bild-Zeitung zum Anlass nahm, am 29. November 2013 ausführlich zu berichten. Keine Angst, was mich betrifft.  Literarische Helden – zumal aus Märchen – sind unsterblich!

 

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