S Bahn Oranienburg / Lehnitz – Lehnitzer Geschichten

„Alle Signale auf Grün“ in Frohnau und Hohen Neuendorf

Von Bodo Becker

„Achtung am Gleis 2! Der Sonderzug fährt gleich ab!“ So kündigte die Bahnhofsaufsicht am 31. Mai 1992 in Frohnau lautsprechergewaltig die erste Fahrt einer S-Bahn seit mehr als 30 Jahren Unterbrechung nach Oranienburg an. In Anbetracht des Gedränges auf dem Bahnsteig und im Zug war die Warnung für die Sicherheit der Menschen dringend erforderlich. Als sich die Türen dann um 10 Uhr schlossen und der Zug sich langsam in Bewegung setzte, brandete bei den Zurückbleibenden begeisterter Beifall auf. Mit verminderter Geschwindigkeit durchfuhr er das nördliche Siedlungsgebiet Frohnaus, denn hier befinden sich damals wie heute, unmittelbar an beiden Seiten des Gleisbettes gelegen, Grundstücke von Gewerbetreibenden und Laubenpieper. Die ruhige Abgeschiedenheit war für sie seitdem vorbei. Für die 4,2 km lange Strecke bis Hohen Neuendorf benötigte der Zug nur einige Minuten, wo ihn eine große Menschenmenge ebenfalls mit Beifall begrüßte. Nicht wenige der älteren Anwesenden, die sich an die Unterbrechung des Zugverkehrs am 13. August 1961 erinnern konnten, hatten Tränen in den Augen. Die Vororte hinter der nördlichen Stadtgrenze bis Oranienburg gehörten nun wieder zur traditionellen Nord-Süd-Verbindung durch die Stadt bis nach Wannsee. Zum neu gewonnenen Zugehörigkeitsgefühl gesellte sich bei vielen die Freude über die schnelle Erreichbarkeit der Berliner Mitte in weniger als 50 Minuten. Rund zweieinhalb Jahre hatte man benötigt, um die Brücken über die Schönfließer Straße, den Zerndorfer Weg, den Staehleweg und die B 96 fertig zu stellen.

Ankunft in Hohen Neuendorf – das Interesse war riesig! Foto: B. Becker

Ankunft in Hohen Neuendorf – das Interesse war riesig! Foto: B. Becker

Auch der Hohen Neuendorfer Bahnhof erstrahlte in neuem Glanz. Der hier anwesende Landrat (damals noch für den Kreis Oranienburg) Karl-Heinz Schröter  sprach in seiner Rede den Wunsch aus, dass die künftigen Züge so pünktlich sein mögen wie an diesem Sonntagvormittag. Dafür forderte er: „Die Signale müssen in Zukunft immer auf Grün stehen.“ Schröter muss es wohl damals schon geahnt haben, denn auf der immer noch eingleisigen Strecke gibt es noch nach über 25 Jahren immer wieder Verspätungen. An diesem historischen Tag sorgte die Deutsche Reichsbahn mit 1500 Liter Freibier für Volksfest-Stimmung am Bahnhof. In Frohnau sah der Berliner Bausenator im öffentlichen Personennahverkehr eine wichtige verkehrspolitische Aufgabe, dessen Kapazitäten ausgebaut werden müssten. Hier unterstützte die BVG-Blaskapelle zwischen den politischen Redebeiträgen die gute Stimmung der S-Bahn Nutzer. Auch für die Nostalgiker gab es einen echten Höhepunkt. Neben den fahrplanmäßigen Zügen pendelte ein Museumszug aus den Jahren 1928/30 zwischen Frohnau und Oranienburg. Zwar musste man für diese historische Fahrt fünf D-Mark berappen, aber welchen Eisenbahnfreund schlägt bei derartigen Gelegenheiten nicht das Herz höher. So gab man das Geld gerne aus und genoss dann das Fahrgefühl der Holzklasse aus längst vergangenen, alten Zeiten. Auf die traditionelle 10 Minuten Taktfolge bis nach Oranienburg warten wir, trotz beachtlich gestiegener Fahrgastzahlen, noch heute!

Folge und