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Freiwillige Feuerwehr Lehnitz

95 Jahre im Dienste der Allgemeinheit: Die Freiwillige Feuerwehr Lehnitz.
Von Bodo Becker

Im Jahre 2003 beging die FFW ihr 80. Jubiläum; aus diesem Grund entstand der nachfolgende Beitrag.

Der schwere Anfang
“Durch Feuerlärm wurden Mittwochnachmittag die Lehnitzer Einwohner aufgeschreckt. Ein hölzernes Sommerhäuschen in der Florastraße stand in Handumdrehen in hellen Flammen. Der Eigentümer des Hauses, der retten wollte, was zu retten war, zog sich dabei schwere Verletzungen zu.” Diese dramatische Schilderung konnten die Lehnitzer am 24. April 1923 im Briesetal-Boten lesen. Mit dem Schadensfeuer war den Gemeindevertretern und der Einwohnerschaft die zwingende Notwendigkeit einer Freiwilligen Feuerwehr (FFW) eindrucksvoll vor Augen geführt worden. Wenige Wochen später, am 31. Mai 1923, hoben zwölf Gründungsmitglieder darum die FFW Lehnitz offiziell aus der Taufe. Für die Anschaffung der ersten bescheidenen Ausrüstungsgegenstände stifteten wohlhabende Lehnitzer einige Millionen Inflationsmark. Das Geld reichte jedoch bei weitem nicht aus, um eine wirksame Brandbekämpfung materiell zu organisieren. Im August gab es bereits 28 aktive Mitglieder. Das erste Ortsstatut über das Feuerwehrwesen von 1925 verlangte von jeden dienstfähigem, aber nicht in der FFW befindlichen, männlichen Lehnitzer eine Ablösesumme von jährlich 10 Reichsmark (RM).

Mit Fahrrad, Pferd und Auto
In den Anfangsjahren unserer Wehr eilten die Kameraden nach der Alarmierung auf Fahrrädern und mit der von Pferden gezogenen Handspritze zum Einsatzort. Der Kohlenhändler oder der Forstwirtschaftsbetrieb mussten die Pferde stellen. Im August 1932 kaufte sich die Wehr einen starken Personenwagen der amerikanischen Marke Chandler, der nach einem Umbau als Mannschafts- und Gerätewagen genutzt wurde. Auf den längsseitig angebrachten beiden Bänken fanden insgesamt zehn Kameraden Platz. Der Einsatzwagen zog auch die einachsige Motorpumpe.

Vor dem neuen Feuerwehr-Depot am Birkenwerderweg. Archiv B. Becker

Vor dem neuen Feuerwehr-Depot am Birkenwerderweg. Archiv B. Becker

Nach 1945 stand die Wehr zunächst wieder ohne Fahrzeug da. Es gelang der Führung, einen Kastenwagen der Marke Ford mit Allrad-Getriebe zu bekommen. Dieser wurde zum Mannschaftswagen umgebaut. Zusätzlich konnte ein Personenwagen des Drogeriebesitzers Eugen Lemke genutzt werden. Später kam ein österreichisches Fahrzeug der Marke Steyer hinzu. Immer wieder gab es jedoch Probleme mit den Fahrzeugen, die ständig repariert werden mussten, um einsatzfähig zu sein. Im Jahre 1962 bestand die Ausrüstung aus einem kleinen Löschfahrzeug mit Hänger für die Motorpumpe und 325 Meter Schlauch. Erst zwei Jahrzehnte später (1984) konnte das erste genormte Feuerlöschfahrzeug zur Verfügung gestellt werden. Es sollte für Jahrzehnte das einzige Fahrzeug bleiben, das unsere Wehr in ihrer langen Geschichte neuwertig übernehmen konnte. 2003 besaß die FFW fünf einsatzbereite Fahrzeuge mit unterschiedlichen Funktionen. Trotz der vielen Bemühungen von allen Beteiligten, die Einsatzfahrzeuge gaben immer wieder Anlass zu Kritik in der Öffentlichkeit. 1996 hatte das damalige Amt Oranienburg-Land von einem Berliner Gartenbaubetrieb eine Drehleiter DL 30 auf IFA W 50 (Baujahr 1987) in einem trostlosen Zustand erstanden. Mit hohem Freizeiteinsatz verwandelten die Kameraden in sechs Tagen das Fahrzeug und die Drehleiter wieder in einsatzfähige Rettungstechnik.

Drehleiter auf der Fahrzeugparade zum 75. Gründungsjubiläum. Archiv B. Becker

Drehleiter auf der Fahrzeugparade zum 75. Gründungsjubiläum. Archiv B. Becker

Am 19. April 2008 übergab die stellvertretende Bürgermeisterin Kerstin Faßmann ein fabrikneues Löschgruppenfahrzeug feierlich an die Lehnitzer Kameraden. Mit seiner technischen Ausrüstung für die Versorgung von Unfallopfern, seiner vorhandenen Atemschutztechnik und einem 2000-Liter-Wasser-Tank ersetzte es die beiden alten Tanklöschfahrzeuge aus DDR-Zeiten. Neun Kameraden finden im Fahrerhaus Platz.

Wasser marsch! – Aber wie?
In den Gründungsjahren setzte das Fehlen einer modernen Löschspritze der Wirksamkeit unserer Wehr bei der Brandbekämpfung enge Grenzen. Jeweils vier Kameraden mussten mit ihrer Muskelkraft das Wasser zum Brandherd pumpen. In einem fiktiven Gespräch zwischen dem Bezirksbrandmeister und dem Lehnitzer Bürgermeister, aufgeführt auf dem Winterfest der FFW im Februar 1925, thematisierten die Diskutanten die Notwendigkeit der Anschaffung einer kleinen Motorspritze. Der originellen Aufforderung an die Verantwortlichen zur Veränderung folgten nach drei (!) Monaten Beschlüsse der Gemeindevertreter, die den Kauf einer Motorspritze für ca. 1400 RM genehmigten. Mehrere Einwohner hatten bereits 450 RM gespendet. Über die Realisierung schwieg sich der Briesetal-Bote – sonst sehr detailliert in der Berichterstattung – mehr als drei Jahre aus. Erst im Dezember 1928 wird den Lesern eine nochmalige Gemeindevertreter-Genehmigung zum Kauf einer Motorspritze mitgeteilt. Dann, endlich nach vier Monaten, besaß die Lehnitzer Wehr eine zweirädrige Lafettenspritze der Firma Ewald-Küstrin. Ende 1934 kam eine Motorspritze der Marke Magirus dazu, die auf ein Fahrgestell montiert werden konnte.

Motorspritze Magirius. Archiv B. Becker

Motorspritze Magirius. Archiv B. Becker

Schwierigkeiten gab es lange Zeit mit der Wasserversorgung. Oft mussten viele Meter Schlauch bis zum Lehnitzsee ausgelegt werden, was natürlich Zeit kostete. 1932 wurden jeweils in der heutigen Hans-Loch-Straße und im Havelkorso Feuerlöschbrunnen angelegt. Mit dem Einsatz der zwei Motorspritzen konnte das Wasser aus den Brunnen gefördert werden. Eine solche Tragkraftspritze der Firma Magirus, die seit 1941 im Besitz der FFW ist, kann als technisches Denkmal bestaunt werden. Heute (2003) gibt es 27 Feuerlöschbrunnen im Ort, von denen jeder 40 Kubikmeter Wasser stündlich im Bedarfsfall bereitstellen kann.

Kameraden und Organisation
Von 1924 bis 1935 leitete Paul Ruderisch erfolgreich die noch junge Wehr. Bis 1945 übernahm Willi Schulze die Funktion des Wehrführers. Wesentlich beteiligt an der Neuformierung ab 1945 war der Kaufmann Gerhard Schlottke, der bis Ende 1953 Ortswehrführer war. Die für die Mitarbeit in der Feuerwehr gewonnenen Kameraden waren noch sehr jung – aber voller Elan. Der dienstälteste Kamerad, Arno Pöllny, trat in dieser Zeit (1956) als Jugendlicher der FFW bei. Die persönliche Ausrüstung ließ nach dem Zweiten Weltkrieg viele Wünsche offen. Mangel an Technik und Ausrüstung verlangte von den Kameraden Ideenreichtum und Improvisation. Mit über 800 freiwilligen Arbeitsstunden sicherten die Kameraden zu Beginn der 1960er Jahre trotzdem die Einsatzbereitschaft ihrer Wehr. Die aufgezeigten Mängel wirkten sich negativ auf die Bereitschaft der Lehnitzer Bürger aus, Freizeit für die Gemeinschaft zu opfern. Innerhalb der Wehr breitete sich ebenfalls Resignation aus. Hinzu kamen die politische Situation nach dem Mauerbau und die zunehmenden Versuche, die FFW für politische Maßnahmen zu instrumentalisieren. Der damalige Ortswehrführer, Gerhard Lichy, verließ aus politischen Gründen die Feuerwehr. So mussten Kameraden unter anderem in Vorbereitung der Wahlen 1963 mit der Volkspolizei Tag- und Nachtstreifen laufen. Im Jahre 1962 befanden sich bei einer geforderten Sollstärke von 40 Mitgliedern nur 25 Kameraden in der FFW. Besonders die Einsatzbereitschaft am Tage litt unter der berufsbedingten Abwesenheit vieler Kameraden. Zur Behebung dieser schlechten Situation knüpfte man wieder an alte Traditionen an. Der selbständige Schlossermeister Erwin Baer war bereits 1946 Mitglied der FFW geworden. In den Jahren 1963/64 gelang es, die im Ort ansässigen Handwerker und Geschäftsleute Bruno Busse (Schusterei), Dieter Lepsien (Tischlerei), Alfred Dottke (Drogerie), Wolfgang Knape (Bäckerei) und Josef Kühnl (Friseursalon) für die Mitarbeit zu gewinnen.

„Alte Kameraden“. Von links nach rechts. 1.: Josef Kühnl; 2.: Karl-Heinz Pohle; 3.: Dieter Wodrich; 4.: Alfred Dottke; 5.: Arno Pöllny; 6.: Gerhard Wolff. Archiv B. Becker

„Alte Kameraden“. Von links nach rechts. 1.: Josef Kühnl; 2.: Karl-Heinz Pohle; 3.: Dieter Wodrich; 4.: Alfred Dottke; 5.: Arno Pöllny; 6.: Gerhard Wolff. Archiv B. Becker

Sie übten zum Teil jahrzehntelang wichtige Funktionen aus. So waren die Kameraden Busse, Dottke und Knape Ortswehrführer. Mit der Bildung einer Frauengruppe (zeitweilig neun Angehörige) Mitte der 1960er Jahre kam man der geforderten Personalstärke zusätzlich näher. Die 1962 gebildete Jugendgruppe begründete die bis heute erfolgreiche Jugendarbeit unserer FFW. Mit der 1992 entstandenen Jugendfeuerwehr Lehnitz leistete die FFW einen wichtigen Beitrag zur aktiven Jugendarbeit im Ortsteil Lehnitz. Im August 2003 wurde im Rahmen des Feuerwehrtages der vierte Amtsausscheid für die Jugendfeuerwehren in Malz durchgeführt. Hier konnten die zehn- bis 16-jährigen Nachwuchsbrandschützer aus Lehnitz nach der Bewältigung eines fünf Kilometer langen Parcours mit neun Aufgabenstützpunkten den 2. Platz nach Germendorf belegen. Drei Jahre später dokumentierte sich der hohe körperliche und theoretische Ausbildungsstand der Lehnitzer mit dem 1. Platz auf dem Stadtjugendausscheid der Feuerwehren in Friedrichthal.

Mitglieder der Jugendfeuerwehr anlässlich der Einweihung des neuen Tanklöschfahrzeuges im Mai 1995. Eingerahmt von Oberbrandmeister Rainer Huber (2. v.l.) und Ortswehrführer Wolfgang Knape (2. v.r.)

Mitglieder der Jugendfeuerwehr anlässlich der Einweihung des neuen Tanklöschfahrzeuges im Mai 1995. Eingerahmt von Oberbrandmeister Rainer Huber (2. v.l.) und Ortswehrführer Wolfgang Knape (2. v.r.)

Am 11. Januar 1997 gründete sich der Feuerwehrverein Lehnitz e.V., der die FFW unterstützte und die Ausbildung förderte. Ein Generationenwechsel in der Leitung der FFW fand im Juni 1997 statt. Oberbrandmeister Rainer Huber, er begann bereits als Mitglied in der Jugendgruppe, übernahm die Funktion des Ortswehrführers vom bisherigen Amtsinhaber Wolfgang Knape. Ihm an die Seite gestellt wurden zwei Stellvertreter: Hauptlöschmeister Uwe Kurb (schied 1999 aus) und Oberlöschmeister Manfred Henschel. Nicht zuletzt wegen ihrer hervorragend geleisteten Arbeit als Führer der FFW Lehnitz wurden Rainer Huber (1998) und Manfred Henschel (1999) zu Stellvertretende Amtsbrandmeister durch den Amtsausschuss berufen und zu Ehrenbeamten auf sechs Jahre benannt. Die Lehnitzer FFW war mit 62 Mitgliedern 2003 die stärkste Wehr im Amt Oranienburg-Land, davon 30 im aktiven Dienst, 20 in der Jugendfeuerwehr, acht in der Alters- und Ehrenabteilung und vier passive Mitglieder. Nach der Auflösung des Amtes 2003 kam die FFW als „Löschzug 6 – Lehnitz“ zur Feuerwehr Oranienburg.
Ein Haus für die FFW
In den Anfangsjahren besaß die Wehr kein festes Domizil, so dass die Handspritze in einem Schuppen auf dem Grundstück Florastrasse 13 untergebracht werden musste. Gerade auf diesen Schuppen hatte es der Feuerteufel wohl abgesehen, denn kurz danach brannte die Unterkunft ab. Einige beherzte Kameraden konnten ihre Handspritze aber retten und brachten sie nun besser unter. Auf dem ehemaligen Gutshof des Restaurants Lehnitzsee (heute das griechische Restaurant) durfte die FFW die Handspritze abstellen. Hier hatte man nun gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zum einen befand sich das Feuerwehrdepot in der Ortsmitte und zum anderen stand der Saal der Gaststätte für die theoretische Ausbildung zur Verfügung. Die bis zum Ende der 1920er Jahre vergrößerte Ausrüstung der FFW machte jedoch ein Gerätehaus notwendig. Nur wenige Monate nach einem Gemeindebeschluss über den Bau eines Depots mit Trocken- und Steigeturm sowie einer Feuerwehrwohnung konnte am 4. Juli 1931 das Haus am Birkenwerderweg (auf der Höhe des heutigen S-Bahnhofs) feierlich eingeweiht werden. Der fast elf Meter hohe Steigetum konnte gleichzeitig als Schlauchwaschanlage genutzt werden. Vier Jahre später, im März 1935, begann ein weiterer Ausbau des Feuerwehr-Depots, der am 15. November des gleichen Jahres ebenfalls mit einer Einweihung beendet wurde. Schulungsräume, ein Sanitäts- und Mütterberatungsraum, eine Polizeiwohnung mit “Vernehmungsraum” und eine Wohnung für die DRK-Schwester waren hinzugekommen.

Die Kameraden mit Rot-Kreuz-Schwestern vor dem Feuerwehr-Depot 1935. Archiv B. Becker

Die Kameraden mit Rot-Kreuz-Schwestern vor dem Feuerwehr-Depot 1935. Archiv B. Becker

Für über vierzig Jahre hatte unsere Wehr mit diesem Haus eine Heimstatt gefunden. Nach 1945 nutzten die Gemeindeverwaltung und die Gemeindebibliothek einen Teil der Räumlichkeiten. Als 1977 der alte Bahnhof für den Bau der Bahnunterführung abgerissen werden musste, schlug auch für dieses Gebäude die letzte Stunde. Nach einem Jahr schufen sich die Kameraden 1977/78 eine neue Unterkunft in der Thomas-Müntzer-Straße.

Fahrzeuge der FFW 1998 vor dem Depot in der Thomas-Müntzer-Straße. Archiv B. Becker

Fahrzeuge der FFW 1998 vor dem Depot in der Thomas-Müntzer-Straße. Archiv B. Becker

Auch diese entsprach nach mehr als zwanzig Jahren nicht mehr den Anforderungen, die sich aus dem vergrößerten Fahrzeugpark, den zunehmenden Einsätzen und der gestiegenen Anzahl von aktiven Kameraden ergaben. Im Juni 1999 fasste daher der Amtausschuss den Grundsatzbeschluss, am Mühlenbecker Weg ein neues Feuerwehr-Depot für die Lehnitzer FFW zu errichten. Die Grundsteinlegung erfolgte am 27. Mai 2000 mit vielen Gästen. In dem feierlichen Spruch zur Grundsteinlegung hieß es: „Dieses Bauwerk dient dem Schutz, und dem Feuer gar zum Trutz, fleißigen Feuerwehrleut’ soll es dienen, seht hier ihre hellen Mienen. Alle steh’n bereit zu helfen jederzeit.“ Richard Wienecke, Amtsdirektor von Oranienburg-Land, übernahm die ehrenvolle Aufgabe, die Kartusche einzumauern. Die Bauleute legten ein ordentliches Tempo vor, denn am 11. August konnte Rainer Huber bereits den symbolischen Nagel anlässlich des Richtfestes in das Gebälk einschlagen. In Anwesenheit von vielen Gästen und zahlreichen Lehnitzer Feuerwehr-Freunden konnte der neue Standort unserer Wehr am 23. Dezember 2000 feierlich eingeweiht werden. Erwähnenswert ist der „schlüpferrosafarbene“ symbolische Schlüssel, den Bürgermeister Gerd Baer extra für die Übergabe an Rainer Huber angefertigt hatte. Er entsprach der Farbe des gesamten Gebäudes, die schon Wochen vorher immer wieder Anlass zu fantasievollen Bezeichnungen in der Presse („Schweinchen-Rosa“ – „Schlüpfer-Rosa“) gegeben hatte.

Amtsdirektor Richard Wienicke hat Rainer Huber den „schlüpferrosafarbenen“ Schlüssel übergeben. Archiv B. Becker

Amtsdirektor Richard Wienicke hat Rainer Huber den „schlüpferrosafarbenen“ Schlüssel übergeben. Archiv B. Becker

Derartige „Äußerlichkeiten“ konnten die Freude der Lehnitzer Kameraden über ihren neuen Stützpunkt aber nicht mindern. Zur geräumigen Feuerwache gehören neben der Fahrzeughalle und den Wasch- und Umkleideräumen unter anderem auch ein Schulungszimmer, eine Küche und ein Aufenthaltsraum. Obwohl nicht mehr für den Einsatzalarm benötigt, bildet eine traditionelle Feuerwehrsirene den höchsten Punkt auf dem Dach. Sie soll bei Katastrophenalarm die Lehnitzer Bevölkerung geräuschvoll warnen. Damit ist die FFW nahezu in die Mitte unseres langgestreckten Ortes gerückt und hat so eine gute Ausfahrt nach allen Richtungen.

Angetreten zur Einweihung des neuen Feuerwehr-Depots. Archiv B. Becker

Angetreten zur Einweihung des neuen Feuerwehr-Depots. Archiv B. Becker

Übung macht den Meister

Unter der Leitung des Bezirksbrandmeisters aus Birkenwerder fanden anfänglich zunächst zweimal monatlich Übungsstunden statt. Wehrführer Ruderisch, Weltkriegsveteran mit Dienstgrad Hauptmann, verlangte von seinen Männern eine straffe Disziplin. Das betraf besonders die kontinuierliche Ausbildung und die Übungen an den Geräten. Für einen notwendigen Steigeturm sammelten die Kameraden Geld. Seine Aufstellung geschah auf dem Gelände des heutigen Trafohäuschens, gegenüber der damaligen Gaststätte Lehnitzsee von Fritz Lehmann. Zur theoretischen Schulung gehörten auch Gasschutz- und Elektrikerkurse sowie Erste-Hilfe-Kurse. Ab 1926 gab es eine freiwillige Sanitäterkolonne, der auch Mitglieder der FFW angehörten. Kontinuierliche Ausbildung und Übungen trugen schon bald Früchte. Bei einem Besuch des Kreisbrandinspektors im Juni 1927 zeigten die Kameraden das “Exerzieren zu Fuß und am Steigeturm” sowie einen anschließenden Löschangriff. Nach Auffassung der Beobachter hatte sich die FFW unter der Leitung von Ruderisch sehr gut entwickelt.

Abb. 1. Aufstellung für den Fotografen, um 1925. Rechts Wehrführer Ruderisch

Abb. 1. Aufstellung für den Fotografen, um 1925. Rechts Wehrführer Ruderisch

Besonders auf Übungen legte man großen Wert. Bewusst suchten die Verantwortlichen dabei die Öffentlichkeit, wie z.B. im Mai 1932, wo eine Übung an der Gaststätte Seelöwe durchgeführt wurde. Zahlreiche Gäste des Lokals nutzten die Gelegenheit, um die Kameraden bei der Durchführung zu beobachten. Acht Minuten nach dem Eintreffen der Wehr begannen die Löscharbeiten. Schon wenige Wochen später war unsere Gemeinde Schauplatz einer großen Übung des Oranienburger Feuerwehrbezirks. Alle FFW des nördlichen S-Bahnbereichs wurden alarmiert und fuhren zum Einsatz nach Lehnitz. Bereits nach fünf Minuten war die Lehnitzer Wehr mit 14 Kameraden am Übungsort in der heutigen Breitscheid-Straße. Nacheinander trafen die Wehren dort ein. Und nun wirkte sich ein Umstand nachteilig aus, der für Lehnitz typisch in dieser Zeit war. Es gab keine Hydranten. Die Kameraden mussten daher vom Übungsbrand bis zum Lehnitzsee Schläuche verlegen; das verzögerte den Beginn der Löscharbeiten natürlich erheblich. Insgesamt führte die FFW elf Übungen im Jahre 1932 durch.

Abb. 2. Übung am Steige- und Trockenturm des neuen Feuerwehr-Depots, um 1935

Abb. 2. Übung am Steige- und Trockenturm des neuen Feuerwehr-Depots, um 1935

Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung und der Militarisierung des öffentlichen Lebens änderte sich zunehmend der Charakter der Übungen. Simulierte Kriegsfolgeschäden und -verluste rückten in den Vordergrund. Gemeinsam mit den Mitgliedern des örtlichen Reichsluftschutzbundes führten die Kameraden im September 1934 eine Schau- und Luftschutzübung durch. Der Zweite Weltkrieg machte die Übungen zur schrecklichen Realität. In den Jahrzehnten nach 1945 rückten wieder die eigentlichen Aufgaben einer Feuerwehr in den Mittelpunkt der Aus- und Weiterbildung. Dazu gehörten Selbststudium, Vorträge und externe Lehrgänge, z.B. für Maschinisten an Löschfahrzeugen, für Technische Hilfeleistungen, für Sprechfunk und einen Grundlehrgang für gefährliche Stoffe und Güter. Auch handwerkliche Fähigkeiten und berufliche Erfahrungen waren für die Instandhaltung der Technik immer gefragt. In unserer waldreichen Umgebung sind Forstbrände immer wieder Anlass für Einsätze der Feuerwehren des Kreises. Einige Übungen konzentrierten sich darum schwerpunktmäßig auf die Bekämpfung großflächiger Waldbrände. So z.B. im Juni 1995, wo alle elf FFW des damaligen Amtes Oranienburg-Land im Einsatz waren. Bei der Bekämpfung der Flammen bewährte sich besonders das Tanklöschfahrzeug unserer FFW. Nach kurzer Zeit hatte man eine Wassergasse um den Brandherd legen können. Ein weiterer Schwerpunkt stellte die Bekämpfung von Hausbränden verbunden mit der Evakuierung von Menschen dar. Derartige Übungen waren auf Grund der Teilnahme vieler Personen für alle Beteiligten immer besonders spannend.

Abb. 3. Rettungsübung aus dem brennenden Hort, 1. Juni 2001

Abb. 3. Rettungsübung aus dem brennenden Hort, 1. Juni 2001

“Der Hort brennt”, schallte es am 1. Juni 2001 über das Gelände der Grundschule. Die Schüler stürmten aus dem Gebäude und schauten mit offenen Mündern den Rettungsaktionen der Kameraden zu. Rauch drang aus den oberen Fenstern und über die Drehleiter wurde ein Mensch aus dem Gebäude gerettet. Mit großer Realitätsnähe führten die Feuerwehren des Amtes im Frühjahr 2001 gemeinsam mit der Staffelder DRK-Gruppe im Oranienburger Gewerbegebiet Nord eine Übung durch. Geprobt wurde der Ernstfall in Form eines simulierten Bahnunfalls, an dem mehrere Pkw beteiligt waren. Der Triebwagen und einige Autos hatten Feuer gefangen; Verletzte mussten geborgen und versorgt werden. Für die Bekämpfung des Brandes richteten die Tanklöschzüge einen „Pendelverkehr“ zum Friedrichsthaler Brunnen ein. Besondere Anforderungen für die Lehnitzer Jugendfeuerwehr brachte eine gemeinsame Großübung mit dem Jugendrotkreuz Oranienburg im September 2003. Brennende Autos, ein schwerer LKW mit ungesicherter Ladung und elf (geschminkte) Verletzten warteten auf Hilfe und Brandbekämpfung. Nach gut eineinhalb Stunden konnte die realistische Übung, die zum Teil an die persönlichen Grenzen der jugendlichen Teilnehmer ging, mit guten Ergebnissen und wichtigen Erfahrungen abgeschlossen werden.

Abb. 4. Löschangriff von Mitgliedern der Jugendfeuerwehr, 1998

Abb. 4. Löschangriff von Mitgliedern der Jugendfeuerwehr, 1998

Im Einsatz für das Leben

Ausgelöst wurde der Alarm bis in die 1930er Jahre hinein durch ein Signalhorn, das nach Einbruch der Dunkelheit der Nachwächter mit sich tragen musste. Zusätzlich gab es sechs Feuermeldestellen. Ab 1935 rief der bedrohlich klingende Heulton von drei Sirenen die Kameraden zu ihren Einsätzen. Die Sirenen dienten im Krieg zugleich für den Bombenalarm. Nach 1990 verstummten die Sirenen. Jeder Feuerwehrmann bekam einen digitalen “Pieper” für seine schnelle Alarmierung. Hinzu kamen stationäre und mobile Sprechfunkgeräte. Nur noch das charakteristische Signal von den Fahrzeugen verkündet lautstark den Einsatz der FFW. Unser Wissen über die Einsätze bis 1945 ist nur zufällig. Von April 1930 bis April 1931 mussten drei Brände gelöscht werden. Eine der schwierigsten Bewährungsproben bestand die Lehnitzer FFW jedoch im Mai 1930 bei der Bekämpfung des Großbrandes der Oranienburger Dampfmühle, wobei das Hauptgebäude der Mühle nicht mehr zu retten war. Vierzehn Wehren aus dem Nordbahnbereich und Pankow beteiligten sich an den Löscharbeiten. Der übriggebliebene Silo in seiner neobarocken Architektur prägt noch heute das Oranienburger Stadtbild.

Abb. 5. Die Oranienburger Dampfmühle vor 1917 und während des Brandes.

Abb. 5. Die Oranienburger Dampfmühle vor 1917 und während des Brandes.

Für den Zeitraum der Jahre 1933/34 berichtete man von drei Waldbränden, einem Fabrikbrand in Oranienburg und einem Schiffsbrand auf dem Lehnitzsee. Für den zuletzt genannten Brand gab es noch bis 1998 einen Zeitzeugen. Der damalige Fahrer des Feuerwehrautos, Wilhelm Scheibe, berichtete darüber, wie in dem besonders strengen Winter auf einem eingefrorenen Lastkahn an der Schleusenbrücke ein Feuer ausgebrochen war. Besondere Eile war von Nöten, um die Schifferfamilie und den Kahn zu retten. Wilhelm Scheibe kürzte darum den Weg zum Brandgeschehen ab, indem er mit dem Feuerwehrauto quer über den vereisten Lehnitzsee fuhr. Insgesamt waren die Einsätze vielgestaltig. Neben der Bekämpfung von Bränden musste die Feuerwehr auch Ertrunkene aus dem Lehnitzsee bergen. In großer Not fungierte das Feuerwehrauto schon mal als Krankenwagen. Gegen Ende des Krieges, am 15. März 1945, standen die noch verbliebenen Kameraden der FFW vor ihrer bisher schrecklichsten Aufgabe. An diesem Tag flogen die alliierten Bomberflotten einen Großangriff auf Oranienburg und Lehnitz. Hier gab es besonders im Südgelände viele Bombeneinschläge. Zerstörte Häuser brannten, Menschen waren verschüttet. Gemeinsam mit Häftlingen aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen führten die Kameraden die notwendigen Rettungs- und Aufräumungsarbeiten durch. Stunden und Tage später explodierten noch Zeitzünderbomben. Als gefährliche Zeugen des Krieges haben viele von ihnen in der Erde und sogar im Lehnitzsee Jahrzehnte überdauert und bringen sich immer wieder lebensbedrohlich in Erinnerung.

Abb. 6. Zerstörte Häuser am Gutsplatz, März 1945

Abb. 6. Zerstörte Häuser am Gutsplatz, März 1945

Nach dem Krieg änderten sich die Einsätze, jedoch waren viele davon nicht weniger dramatisch, verlangten Mut und Übersicht von den Kameraden. Im Jahre 1947 rückte die FFW gemeinsam mit anderen Feuerwehren zur Bekämpfung eines großen Waldbrandes bei Malz aus. Eine ganze Woche waren die Kameraden im Sommer 1972 beim Waldbrand in der Nähe von Summt im Einsatz. Durch die tagelange Mithilfe der Wehr gelang es im November 1972, die schlimmsten Schäden der Sturmkatastrophe für Lehnitz zu beseitigen und die Stromversorgung wieder herzustellen. Am 19. Dezember 1995 wurden die Kameraden der FFW nach Oranienburg in die Freiburger Straße/Ecke Bernauer Straße gerufen. Der Dachstuhl eines mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshauses brannte. Achtzehn Familien verloren an diesem Tag einen großen Teil ihres Eigentums. Ein weiterer Großbrand hielt die Kameraden im April 2002 in Atem. Auf dem Oranienburger Flugplatz war ein Altreifenlager in Brand geraten. Der ätzende Geruch von verbranntem Gummi und eine weithin sichtbare Rauchwolke kündigten von dem großflächigen Brandherd. Hier war die Lehnitzer Feuerwehr am ersten Einsatztag mit 21 Kameraden und vier Fahrzeugen rund 18 Stunden im Einsatz. Die Wetterkapriolen der letzten Jahre gaben ebenfalls Anlass zu Hilfeleistungen. Neben der Beseitigung von Sturmschäden im Ort gab es auch Aktivitäten außerhalb unserer Region. Das so genannte Jahrhundert Hochwasser der Elbe im August 2002 hatte viele Dörfer und Städte überspült. Aus Eigeninitiative fuhren die Kameraden drei Tage in die besonders betroffene Stadt Grimma. Hier halfen sie Keller auspumpen und bargen die nassen Bücher einer Kirchenbibliothek. Eine zweite Hilfefahrt ging nach Cossebaude bei Dresden.

Abb. 7. Selbstdetonation im Forstring, 4. Dezember 1991

Abb. 7. Selbstdetonation im Forstring, 4. Dezember 1991

Immer wieder musste die FFW Aufgaben im Zusammenhang mit Bombenfunden, -entschärfungen und -detonationen übernehmen. Betriebs-, Schornstein-, Motorrad-, Haus- und Wohnungsbrände sowie zunehmend Verkehrsunfälle machten Einsätze erforderlich. Die Bergung von Verletzten und Toten stellte zudem hohe psychologisch-ethische Ansprüche an die Kameraden. Wer erinnert sich jedoch an die vielen weniger spektakulären Einsätze? Bäume beschneiden und gießen, Keller auspumpen, Absperrungen einrichten, Kontrollen für den Brandschutz, Feuerwache stehen, Bereitschaft herstellen… Von 1994 bis 1997 verdreifachten sich die jährlichen Gesamteinsätze auf 228! Diese Zahl hatte sich für das Jahr 2002 mit 412 Einsätzen bereits nahezu verdoppelt. Zugenommen haben auch solche Einsätze, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen. Im Jahre 2006 mussten 19 Sturm- und 19 Wasserschäden beseitigt werden. Selten sind Einsätze, denen man auch humoristische Seiten abgewinnen kann. Einen solchen gab es im Februar 2006, wo ein mit Bier und alkoholfreien Getränken beladener LKW ins Schleudern kam und ein  großer Teil der Ladung auf der Straße zerbrach. Ortswehrführer Huber kommentierte den Einsatz anschließend mit den Worten: „Wir haben schon Vieles von der Straße geholt, Zement zum Beispiel, aber Bier noch nie … Schade um das schöne Bier! Cola wäre allerdings schlimmer gewesen, die klebt so.“

Gemeinnutz geht vor Eigennutz

Dieser Grundsatz eines Gemeinwesens steht besonders für die Arbeit der FFW in den Gemeinden. An dieser Stelle sollen jedoch Aktivitäten aufgezeigt werden, die nicht unmittelbar zu den Aufgaben einer Feuerwehr gehörten. Da sind zunächst die vielen geleisteten Arbeitsstunden zum Nutzen der Gemeinde. Nicht nur am Bau ihrer Feuerwehr-Depots, sondern auch z.B. an der Errichtung des Lehnitzer Kulturhauses im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks (genannt NAW) in der ersten Hälfte der 1960er Jahre war die FFW maßgeblich beteiligt. Mit vielgestaltigen Veranstaltungen bereicherte unsere FFW das gesellschaftliche Leben im Ort seit frühester Zeit. Beliebt waren die Feuerwehrfeste im Jahreslauf. So lud die Wehr im Februar 1925 alle Gäste unter dem Titel “Jahrmarkt in Alt-Lehnitz” zu einem lustigen Markttreiben in die Gaststätte Seelöwe ein. “Angefangen von der süßen Therese bis zu Lillys Galanteriewaren waren sämtliche Buden vertreten, so dass man sein Geld in Sachwerten aller Art anlegen konnte”, berichtete der Briesetal-Bote.

Abb. 8. Bericht im Briesetal-Boten vom 12. Februar 1925

Abb. 8. Bericht im Briesetal-Boten vom 12. Februar 1925

Für Unterhaltung sorgten ein Stück der Theatergemeinde des Cafés Hildebrandt aus der Florastraße und natürlich Musik zum Tanzen. Den Frühling begrüßte man im März 1930 gemeinsam mit dem Vaterländischen Frauenverein bei einem zünftigen Eisbeinessen, dem sich ein Verdauungstanz anschloss. Zur Herbst- und Vorweihnachtszeit gehörten in den Jahren der Not und Massenarbeitslosigkeit die Wohltätigkeitsveranstaltungen, an denen auch die FFW teilnahm. Ein Wohltätigkeitsfest der Winterhilfe im Oktober 1931 mit Tombola und Versteigerung erbrachte die für damalige Zeiten stolze Summe von 300 RM. Auf Weihnachtsfeiern gab es gespendete Zuwendungen für bedürftige Familien und Kinder. In den Sommermonaten begingen die Kameraden ihr jährliches Gründungsfest mit Berichten, Gratulanten der Nachbarwehren, viel Unterhaltungsbeilagen und Tanz. Auch nach 1945 erfreuten sich die jährlichen Feuerwehrfeste bei Mitgliedern und Gästen großer Beliebtheit. Eine besondere Überraschung brachte das Feuerwehrfest des Jahres 1993. In langer Reihe fuhren auf einer Feuerwehr-Parade historische Feuerwehrfahrzeuge an die staunenden Zuschauer vorbei.

Abb. 9. Historische Feuerwehrparade auf der Friedrich-Wolf-Straße, 1993

Abb. 9. Historische Feuerwehrparade auf der Friedrich-Wolf-Straße, 1993

Da wurden so manche Kindheitsträume wieder wach. Noch bei vielen in Erinnerung ist das große Volks- und Jubiläumsfest anlässlich des 75. Bestehens der Feuerwehr. Ein ganzes Wochenende lang feierten die Kameraden mit ihren Gästen das Jubiläum im August 1998.

Zu den Höhepunkten gehörte der Festumzug mit Lehnitzer Vereinen, Abordnungen von Nachbarwehren und der Bundeswehr sowie eine Feuerwehr-Parade.

Abb. 10. Die Kameraden der FFW zum 75. Jubiläum 1998

Abb. 10. Die Kameraden der FFW zum 75. Jubiläum 1998

Doch auch an ihrem Festtag wurde unsere Feuerwehr von der Vergangenheit eingeholt.
Am Sonnabend, gegen 15.30 Uhr, ertönten die Pieper der Kameraden. Auf einem Grundstück am Forstring war eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Wenige Minuten später waren die Kameraden am Fundort. In der Nähe wohnende Bürger mussten evakuiert werden. Glück im Unglück hatten alle Beteiligten, denn der 250-Kilo-Bombe fehlte der Zünder. Nach zwei Stunden war der Spuk vorbei. Seit 1993 wird mit einem Osterfeuer, Gesang der Lehnitzer Chöre und der Hennigsdorfer Blasmusik am Lehnitzsee der Winter vertrieben und der Frühling angekündigt. Auch Kraft zehrende Einsätze am Vorabend, wie z.B. im März 1997 wegen eines Orkans, hielten die Kameraden von der Teilnahme nicht ab. Lang anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen ließen die Feuerwehr nicht nur zum Löschen von Waldbränden ausrücken, sondern auch zu ganz anderen Aufgaben. So geschehen im August 1999. Obwohl die Kameraden Brandwache bei einem gelöschten Waldbrand in Birkenwerder gehalten hatten, war bereits am nächsten Morgen ein Fahrzeug unterwegs und versorgte die Lehnitzer Straßenbäume mit frischem Nass. Zur Öffentlichkeits- und Nachwuchsarbeit unserer Feuerwehr gehörten nicht nur die jährlich wiederkehrenden „Tage der offenen Tür“, sondern auch Besuche der Hort- und Kita-Kinder unserer Gemeinde in der Feuerwache. Hier bekamen die Kinder erstmals hautnahen Kontakt mit der Technik und den Abläufen bei der Alarmierung der FFW. Mit großem Interesse besichtigten sie unter anderem die Fahrzeuge und die umfangreiche Ausrüstung eines Feuerwehrmannes. Es ist darum nicht verwunderlich, wenn unsere Feuerwehr bis jetzt (2003) keine Nachwuchssorgen kennt. Mit den aufgezeigten Aktivitäten nahm die FFW in den vergangenen Jahrzehnten einen wichtigen Platz im öffentlichen Leben unserer Gemeinde ein. Für Erwachsene und Kinder bleiben Fackelzüge, Feuerwerk, Kinderfeste und Tombolas seit Generationen in guter Erinnerung. Dank und Anerkennung den Kameraden der FFW Lehnitz für ihren aufopferungsvollen Einsatz bei der Rettung von Menschenleben und Vermeidung von Sachschäden. Für die Zukunft weiterhin: „Gut Schlauch!“

Abb. 11. „Wasser marsch“ bei einer Übung im September 1988. Abb. 1-11 Archiv B. Becker

Abb. 11. „Wasser marsch“ bei einer Übung im September 1988. Abb. 1-11 Archiv B. Becker

 

 

 

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