Von alten und neuen Bräuchen in der Vorweihnachtszeit – in Lehnitz

Von alten und neuen Bräuchen in der Vorweihnachtszeit

Von Bodo Becker

Die Wochen vor Weihnachten sind voll mit Bräuchen, die von der regionalen Herkunft und christlichen Bindung der Menschen geprägt sind. Nach 1989 kehrten einige von ihnen wieder in die Öffentlichkeit zurück, beziehungsweise kamen sie mit der Zuwanderung aus den alten Bundesländern zu uns. Dazu gehört, wie in vielen Orten unserer Region, der Laternenumzug unserer Kita-Kinder am 11. November, dem St. Martinstag. Die begeisterten Kinder erhellen seit den 1990er Jahren mit ihren Laternen die abendliche Dunkelheit des zumeist nasskalten Tages. Eltern und Kinder bleiben anschließend mit wärmenden Getränken und Gegrilltem am Martinsfeuer beisammen. Namensgeber ist der Heilige Martin von Tours (316-398), der ein Offizier des römischen Heeres war. Nach der Überlieferung begegnete ihm in einer kalten Winternacht ein frierender Bettler. Als Martin ihn sah, nahm er sein Schwert und schnitt damit seinen eigenen Mantel mitten durch. Die eine Hälfte gab er dem Armen, die andere Hälfte legte er sich selbst wieder um. Aus dieser Handlung christlicher Nächstenliebe entstand der ursprünglich katholische Brauch des St. Martinstages, der mittlerweile von beiden Konfessionen gepflegt wird. „Ziehet durch die Gassen hin, denn es ist St. Martin.“

Singen unter der Laterne - Lehnitz

Abb. 1 Kopie. Archiv B. Becker

Der letzte Sonntag des Novembers und des Kirchenjahres ist dem Totengedenken (auch Totensonntag oder Ewigkeits-Sonntag genannt) vorbehalten. Die Gräber werden mit Tannengrün geschmückt; es gibt Totensonntags-Predigten und kirchliche Musik auf den Friedhöfen. Auf vielen Gräbern brennen, anlehnend am katholischen Allerheiligen-Gedenken,  nach Anbruch der Dunkelheit Ewigkeits-Lichter. Entspricht der stille, besinnliche Totensonntag so ganz der dunklen, oftmals verregneten Jahreszeit – und damit auch der Gemütslage vieler Menschen, so leitet der nachfolgende Sonntag die eigentliche Vorweihnachtszeit ein. Die Adventszeit (deutsch Ankunft) umfasst die vier Sonntage vor dem Weihnachtsfest. Vorweihnachtliche Musik und Gesang, Vorfreude bei den Kindern und heimliche Geschenkvorbereitung gehören zu diesen Wochen bis zu den Festtagen.

Abb. 2. Die „Heilige Familie“ in einem Vorgarten. Foto B. Becker

Abb. 2. Die „Heilige Familie“ in einem Vorgarten. Foto B. Becker

Seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nimmt dabei der adventliche Lichterschmuck im Außenbereich immer mehr zu. Er hat seinen Ursprung in den alten Legenden von blühenden Bäumen in der Weihnachtsnacht. Gärten und Fenster werden von Lichterketten, beleuchteten Figuren oder so genannten Schwibbögen mit weihnachtlichen Motiven erhellt. Leider erinnert so manch strahlendes Gebilde mehr an nervöses Rummelflimmern als an den ruhigen Schein einer Adventskerze. Besonders schön sind dagegen die leuchtenden Sterne anzusehen, die den Weihnachtsstern symbolisieren, der den Heiligen Drei Königen den Weg nach Bethlehem, der Geburtsstadt von Jesus, gewiesen haben soll. Anfangs leuchteten sie nur vom 25. Dezember bis 6. Januar.

Abb. 3. Hereinspaziert! Foto B. Becker

Abb. 3. Hereinspaziert! Foto B. Becker

Großer Beliebtheit erfreuen sich die Weihnachts- und Adventsmärkte. Beschränkten sie sich bis 1989 zumeist auf die Städte, so findet man sie nun auch in kleineren Gemeinden. Zur letzten Adventszeit der selbständigen Gemeinde Lehnitz lud der erste „Lehnitzer Adventsmarkt“ vom 28. bis 30. November 2003 alle großen und kleinen Einwohner zu einem stimmungsvollen Rundgang in die Dianastraße vor der Schule ein. Der Adventsmarkt im Heimatort, entstanden durch die Initiative der Grundschule, organisiert von den Lehrern und Schülern sowie vielen Eltern, war eine echte Überraschung. Seit Monaten hatte man mit Unterstützung von Partnern aus Handwerk und Handel das vorweihnachtliche Ereignis vorbereitet. Geschätzte 300 Besucher kamen am Eröffnungstag.

Abb. 4. Foto B. Becker

Abb. 4. Foto B. Becker

An den festlich dekorierten Ständen konnten sie weihnachtliche Basteleien, z.B. gezogene Duftkerzen, auch Selbstgebackenes, Bücher und Weihnachtsschmuck für jeden Geschmack erstehen. Dabei durften natürlich Grillwürste und Glühwein – angeboten aus gesponserten bunten Weihnachtstassen – nicht fehlen. An allen Öffnungstagen sorgten Schüler und die Lehnitzer Chöre für die stimmungsvolle kulturelle Umrahmung. Besonderes Interesse fand die Schüler-Theatergruppe mit der Aufführung des modernen Krippenspiels „Wohnungssuche.“ Neben den vertrauten Weihnachtliedern der Chöre vermittelte die Gospelsängerin Adrienne Hammond weihnachtliches Liedgut aus den USA. Für die fußballbegeisterten Mädchen und Jungen gab es eine Lese- und Signierstunde mit Joachim Massanek, Autor des verfilmten Buches „Die wilden Fußballkerle“. Der Adventsmarkt bekam viel Zustimmung und wurde für alle Beteiligten ein großer Erfolg. Mit den Verkaufserlösen konnte die geplante Gestaltung des Schulhofes mitfinanziert werden. Bis heute gehört der Adventsmarkt für die großen und kleinen Lehnitzer noch immer zu den schönsten Erlebnissen vor dem Weihnachtsfest.

Abb. 5. Foto B. Becker

Abb. 5. Foto B. Becker

Schon seit sechzehn Jahren zieht es die Lehnitzer mit ihren Gästen am Heiligen Abend um 22.00 Uhr in die Florastraße. Vor dem dortigen evangelischen Gemeindehaus nehmen sie an einem Gemeinschaftserlebnis teil, das die meisten von ihnen nur noch aus der Kindheit kennen: Das Singen von traditionellen Weihnachtsliedern. Begleitet von der Bläsergruppe  der Kirchengemeinde Oranienburg/Lehnitz unter der Leitung von Peter-Jürgen Sell schallen die Lieder von ca. 200 Sängerinnen und Sängern durch die Nacht und künden von der Geburt des Christuskindes mit der Botschaft des Friedens. So wird es auch in diesem Jahr sein.

Abb. 6. Die Bläsergruppe unter der Laterne. 2. v. rechts Peter-Jürgen Sell. Foto B. Becker

Abb. 6. Die Bläsergruppe unter der Laterne. 2. v. rechts Peter-Jürgen Sell. Foto B. Becker

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